Archiv für 9. November 2013

Dornen aus St. Margrethen

Rheintaler, 9. November 2013

Zum Leserbrief «Blanker Unsinn» von Michael Jäger, Ausgabe vom 7. November 2013

Manchmal ist es erstaunlich, was für Argumente im Vorfeld einer Abstimmung erfunden werden. Dass gerade die Familien-Initiative emotional hohe Wellen wirft, ist nicht verwunderlich. Umso nötiger ist es, dieses Thema sachlich korrekt anzugehen. Doch dies gelingt nicht jedem. Denn wer Andersdenkenden «blanken» bzw. «populistischen Unsinn» unterstellt und diese pauschal verunglimpft, muss schwache Argumente haben. So ist es denn auch bei Michael Jäger. Oder bezieht sich der Titel seines Leserbriefs selbstironisch auf den eigenen? Da muss Michael Jäger wohl ein falsches Abstimmungscouvert erhalten haben. Während es bei der Familien-Initiative nur um eine Steuerentlastung geht, faselt er von Steuererhöhungen. Oder besitzt Herr Jäger hellseherische Fähigkeiten?

Steuerentlastung ist ein liberales Anliegen. Das müsste eigentlich Michael Jäger als eingefleischtem FDPler sympathisch sein. Oder hat er die Seiten gewechselt?

«Reiche» Familien, die ihre Kinder selbst betreuen, scheinen Michael Jäger ein Dorn im Auge zu sein. Diese sollten wohl steuerlich noch mehr geschröpft werden, um weitere Kinderkrippen zu finanzieren. Wie verhält es sich übrigens mit gut situierten Doppelverdienern mit fremdbetreuten Kindern: Können diese den Fremdbetreuungsabzug nicht auch geltend machen? Die SVP St. Margrethen muss Michael Jäger wohl irgendwie ein Dorn im Auge sein, was eigentlich egal ist. Unsere sachlich orientierte und dem Bürger nahe stehende Politik kann etwas bewirken und ändern. Auch Michael Jäger wird eines Tages erkennen müssen, dass die Schweiz nicht nur aus Parteidenken und Geld besteht, sondern auch besorgte, das Land tragende und stolze Bürger beheimatet, für die es lohnt, sich einzusetzen.

Marcel Toeltl

Familieninitiative und Sozialstaat?

Rheintaler, 05. November 2013

Betr. Leserbrief von Michael Jäger, Ausgabe vom 2. November 2013

Entgegen der Ansicht von Michael Jäger sind in einer direkten Demokratie auch «gestandene» Politikerinnen nicht unantastbar. Andere Meinungen müssen auch hier erlaubt sein. Zudem hat der von Michael Jäger gerügte «Altstätter Leserbriefschreiber» in der Sache recht. Von Sozialstaat spricht man im Zusammenhang mit einer Umverteilung: Also wenn der Staat von den einen nimmt, um den anderen zu geben. Die mit der Familieninitiative vorgesehene Steuerentlastung von eigenverantwortlich selbst betreuenden Eltern hat mit Sozialstaat nichts zu tun, im Gegenteil. Vielmehr ist es die staatlich subventionierte Fremdbetreuung, die zu einer Aufblähung des Sozialstaates führt.

Widersprüchlich ist, dass die Gegner der Familieninitiative nun die Frage der Kompensation der mit dem Eigenbetreuungsabzug verbundenen Steuerausfälle aufwerfen. Bei der Einführung des Fremdbetreuungsabzuges hatten für dieselben Kreise die Steuerausfälle offenbar keine Rolle gespielt. Wo bleibt hier die Gleichbehandlung?

Fabian Herter